🚨 Notfall-Protokoll
Was tun in Krisensituationen? Schritt-für-Schritt Anleitungen.
Wählen Sie die Situation:
Person ist weggelaufen
Vermisst, nicht auffindbar, orientierungslos unterwegs
Sturz / Verletzung
Gestürzt, kann nicht aufstehen, mögliche Verletzungen
Starke Aggression
Schlagen, Treten, Werfen, verbale Gewalt
Totale Verweigerung
Isst nicht, trinkt nicht, verweigert Pflege/Medikamente
Akute Verwirrtheit
Plötzliche starke Verschlechterung, nicht ansprechbar
Nächtliche Krise
Nachts wach, unruhig, verängstigt, will raus
Person ist weggelaufen
Ruhe bewahren & Zeit notieren
Notieren Sie, wann Sie die Person zuletzt gesehen haben und was sie trug. Diese Infos braucht die Polizei.
Nahbereich absuchen (5-10 Min.)
Prüfen Sie zuerst:
- Alle Zimmer, auch Keller und Dachboden
- Garten, Garage, Schuppen
- Verstecke (hinter Möbeln, in Schränken)
- Gewohnte Wege: ehemaliger Arbeitsplatz, Kirche, alter Wohnort
Nachbarn & Bekannte anrufen
Informieren Sie Nachbarn, bitten Sie sie, Ausschau zu halten. Vielleicht hat jemand die Person gesehen.
Polizei anrufen (110)
Nach 15-20 Minuten ohne Erfolg: Polizei rufen. Das ist KEIN Überreagieren! Sagen Sie:
- "Mein Angehöriger mit Demenz wird vermisst."
- Name, Alter, Aussehen, Kleidung
- Wann zuletzt gesehen
- Mögliche Ziele (alte Wohnung, Arbeitsplatz)
Zu Hause bleiben
Eine Person sollte zu Hause bleiben – falls die vermisste Person zurückkehrt oder gefunden wird.
✓ Wenn die Person gefunden wird
Nicht schimpfen! Die Person weiß oft nicht, dass sie "weggelaufen" ist. Sagen Sie: "Schön, dass du da bist. Ich habe mir Sorgen gemacht."
⚠️ Vorbeugung
GPS-Tracker, Notfall-Karte mit Kontaktdaten, Türsensor, Nachbarn informieren, aktuelle Fotos bereithalten.
Sturz / Verletzung
Ruhe ausstrahlen
Ihre Ruhe überträgt sich. Sprechen Sie beruhigend: "Ich bin da. Alles wird gut."
Nicht sofort hochziehen!
Prüfen Sie erst:
- Ist die Person bei Bewusstsein?
- Kann sie alle Gliedmaßen bewegen?
- Gibt es sichtbare Verletzungen, Blut?
- Klagt sie über Schmerzen? Wo?
Bei Verdacht auf schwere Verletzung: 112
Notruf bei: Kopfverletzung, kann nicht aufstehen, starke Schmerzen (Hüfte!), Bewusstlosigkeit, starke Blutung.
Bei leichtem Sturz: Langsam aufhelfen
Erst auf die Seite drehen, dann auf alle Viere, dann an einem stabilen Möbelstück hochziehen. Nicht an den Armen zerren!
Dokumentieren
Notieren Sie: Wann, wo, wie gestürzt? Verletzungen? Für den Arzt und um Muster zu erkennen.
⚠️ Wichtig bei Demenz
Menschen mit Demenz können Schmerzen oft nicht genau benennen. Bei verändertem Verhalten nach Sturz (Unruhe, Verweigerung) immer an Verletzung denken!
Starke Aggression
Eigene Sicherheit zuerst
Wenn Sie sich bedroht fühlen: Abstand halten, Raum verlassen. Ihre Sicherheit geht vor!
Nicht dagegen ankämpfen
Nicht schreien, nicht festhalten (außer zur Gefahrenabwehr), nicht argumentieren. Das eskaliert die Situation.
Ruhig und tief sprechen
Langsam, mit tiefer Stimme: "Ich sehe, du bist aufgebracht. Ich möchte dir helfen." Blickkontakt, aber nicht starren.
Auslöser suchen & entfernen
Mögliche Ursachen:
- Schmerzen (Zähne, Blase, Verstopfung)
- Überforderung, zu viele Reize
- Angst, Kontrollverlust
- Hunger, Durst, Toilette
- Nebenwirkung von Medikamenten
Ablenken
Themawechsel, Musik anmachen, Snack anbieten, aus dem Fenster schauen, in einen anderen Raum gehen.
⚠️ Bei wiederholter oder gefährlicher Aggression
Sprechen Sie mit dem Arzt! Es gibt Ursachen (Schmerzen, Delir, Medikamente) und Behandlungsmöglichkeiten. Sie müssen das nicht alleine aushalten.
Totale Verweigerung
Nicht zwingen
Zwang führt zu Abwehr und Aggression. Akzeptieren Sie ein "Nein" und versuchen Sie es später erneut.
Ursache erkunden
Fragen Sie sich:
- Schmerzen beim Schlucken, im Mund?
- Übelkeit, Verstopfung?
- Geschmackssinn verändert?
- Depression, Antriebslosigkeit?
- Erkennt die Person das Essen nicht?
Alternativen anbieten
Anderes Essen, andere Darreichung (Fingerfood!), andere Zeit, anderer Ort, andere Person.
Bei Trinkverweigerung: Kreativ werden
Wasserreiches Obst, Eis am Stiel, Suppe, Pudding, Smoothie. Kleine Mengen oft anbieten.
Arzt einschalten
Bei mehr als 24-48 Stunden ohne ausreichende Flüssigkeit oder Nahrung: Arzt rufen!
✓ Was oft hilft
Gemeinsam essen (Spiegelneuronen), Lieblingsessen aus der Kindheit, bunte Teller, angenehme Atmosphäre, keine Ablenkung durch TV.
Akute Verwirrtheit (Delir)
⚠️ Delir ist ein medizinischer Notfall!
Plötzliche starke Verschlechterung der geistigen Fähigkeiten ist NICHT normaler Demenz-Verlauf, sondern oft Zeichen einer behandelbaren Ursache!
Erkennen
Anzeichen für Delir (anders als "normale" Demenz):
- Plötzlicher Beginn (Stunden/Tage)
- Schwankender Zustand (mal klar, mal verwirrt)
- Halluzinationen
- Extreme Unruhe ODER Apathie
- Gestörter Tag-Nacht-Rhythmus
Sofort Arzt/Notarzt rufen
Häufige Ursachen: Harnwegsinfekt, Lungenentzündung, Dehydrierung, Medikamente, Schmerzen, Verstopfung. Alles behandelbar!
Bis der Arzt kommt
Ruhe, gedämpftes Licht, vertraute Person anwesend, langsam und klar sprechen, Orientierung geben ("Du bist zu Hause, es ist Dienstag").
Nächtliche Krise
Licht an, aber gedämpft
Dunkelheit verstärkt Angst. Nachtlicht oder schwache Beleuchtung hilft bei der Orientierung.
Ruhig ansprechen
"Ich bin's, [Name]. Es ist Nacht, alles ist gut. Du bist zu Hause."
Grundbedürfnisse prüfen
Toilette? Durst? Schmerzen? Kalt/Warm? Manchmal ist die Lösung so einfach.
Nicht diskutieren
Wenn die Person "zur Arbeit" will: Nicht widersprechen. "Heute ist frei. Komm, wir trinken erst einen Tee."
Sanft zurück ins Bett begleiten
Beruhigende Musik, warme Milch, Hand halten. Bleiben Sie, bis die Person wieder einschläft.
✓ Vorbeugung
Tageslicht tagsüber, kein langer Mittagsschlaf, abends kein Koffein, feste Abendroutine, Nachtlicht, Toilettengang vor dem Schlafengehen.
📞 Meine Notfall-Kontakte
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